Pressemitteilung zur Verleihung des Hans-Weber-Preises 2022

02. Dezember 2022

Am Wiesenweg in Siegenburg steht eine massive Bank aus Stein und Holz. Daneben eine Stele. Sie erinnert an den polnischen Zwangsarbeiter Wladyslaw Belcer. Er wurde im November 1942 von den Nazis hingerichtet. Der 20-jährige hatte ein Liebesverhältnis zu einer Siegenburgerin, aus dem ein gemeinsames Kind entstand. Eine Gruppe aus Schülerinnen und Schülern der Johann-Turmair-Realschule Abensberg hatte sich zusammen mit der Lehrerin Maria Rauscher und dem Journalisten Thomas Muggenthaler mit der Geschichte des jungen Paares auseinandergesetzt und in Eigenregie den Erinnerungsort entworfen, geplant, beantragt und umgesetzt. "Seit Jahren machen sich Schülerinnen und Schüler der Realschule Gedanken um die Erinnerungsarbeit vor Ort. Grund genug, dieses langfristige und kreative Engagement mit dem ersten Platz auszuzeichnen", so Sebastian Koch. Der SPD Unterbezirk Regensburg hat am Sonntag in der Neuen Synagoge in Regensburg den Hans-Weber-Preis verliehen. Der mit 1.000 Euro dotierte erste Platz ging dieses Jahr an Maria Rauscher und die Schülerinnen und Schüler der Realschule Abensberg.

"Seit 2006 verleiht der SPD Unterbezirk Regensburg alle zwei Jahre den Preis im Andenken an das Leben und Wirken Hans Webers", erklärt der Vorsitzende Sebastian Koch. Altbürgermeister Hans Weber hat zusammen mit seiner Familie durch den Widerstand gegen den Nationalsozialismus unter Lebensgefahr und großen persönlichen Opfern ein Beispiel für den persönlichen Einsatz für Freiheit, Toleranz, Demokratie und Zivilcourage gegeben. Er ist ein Vorbild gerade für junge Menschen, denen er in den Schulen und anderswo viele Stunden gewidmet hat, um sie vor den Gefahren von Rechts zu warnen und ihnen zu zeigen, wohin Intoleranz und Gewalt gegen Andersdenkende führen können.

Im Jahr 2003 ist Hans Weber verstorben. Ihm zu Ehren und im Andenken seiner politischen Arbeit und seiner antifaschistischen Haltung hat der SPD Unterbezirk Regensburg kurz darauf beschlossen, ihm einen Preis zu widmen.

Bei der Feier in der Neuen Synagoge in Regensburg wurde neben der Realschule Abensberg die Konfettigarde Narragonia Regensburg mit dem zweiten Platz ausgezeichnet. Die Konfettigarde ist eine Tanzgruppe junger Menschen zwischen 12 und 28 Jahren. Der Name ist Programm. Konfetti sind bunt und vielfältig: Die Tanzgruppe besteht aus Menschen mit Behinderungen. Zusammen mit dem Trainerteam und zwei Youngagement-Schüler:innen lebt die Konfettigarde Inklusion, schafft Sichtbarkeit und bietet nicht zuletzt eine Plattform für Hobby und Leidenschaft der Teilnehmenden: Tanzen. Ebenfalls den zweiten Platz erhielt die Max-Ulrich-von-Drechsel-Realschule Regenstauf. Mit Helga’s Story hat eine Gruppe der Realschule versucht, in Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern einer tschechischen Partnerschule das Leben einer KZ-Überlebenden nachzuzeichnen und durch die Auseinandersetzung mit ihrem Leben sich selbst Fragen zu stellen und die eigene Position, das eigene Handeln, das eigene Denken zu reflektieren. Außerdem wurde die die Bayerische Sportjugend für eine jährliche Fahrt mit jungen Menschen verschiedener Backgrounds in KZ-Gedenkstätten ausgezeichnet. Auf den mit 150 Euro dotierten dritten Plätzen folgten das Jugendrotkreuz, das am 24. April ein Fest für geflüchtete ukrainische Kinder im Regensburger Stadtpark organisiert hat und der SV Sallern, bei zahlreichen Aktionen finden hier Kinder und Jugendliche unterschiedlichster Hintergründe zusammen, erleben Gemeinschaft, Teamgeist und Solidarität und leben so ganz praktisch Toleranz und Demokratie.

Die Bundestagsabgeordnete Dr. Carolin Wagner bedankte sich bei den diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträgern für ihre beeindruckenden Projekte gegen das Vergessen, für Toleranz und Menschlichkeit: "Der Widerstand von Menschen wie Otto Wels, Toni Pfülf oder Hans Weber sind uns Verpflichtung, den Worten Max Mannheimers zu entsprechen: Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nie wieder geschieht, dafür schon!".

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